... enter comBATmode ...: Hallo Wien! - Teil I

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Hallo Wien! - Teil I

(c) und Initiator des Specials Loseblattsammlung


Abraham Qualifas Gastbeitrag für mein Blog:


Hallo Wien!

Wien ist die Metropole der Künstler und Manieren, der Champagner - und Sektschlürfer oder, wie es in Bayern gerne genannt wird: Die Hauptstadt der „Schluchtenscheißer“. Natürlich darf die berühmte Wiener Sachertorte nicht vergessen werden, bei der wir uns mit jedem Stückchen pure Noblesse ins Gedächtnis schmatzen.

Das klingt jetzt eventuell nach einer Kurzgeschichte mit subtilen Wortspielchen und einem Hauch lustiger Neckereien zwischen Berg – und Flachlandvölkern. Dem ist aber nicht so – denn heute ist nicht irgendein kultureller Prunkenbold-Abend, sondern Halloween, wo man sich nicht dem erbetteln von Süßigkeiten oder dem Konsum seltsamer Kostüme widmen sollte, sondern sich ruhig mal gruseln und fürchten darf. Dazu eine kleine Geschichte:

Teil I.

Er saß im Zug von München nach Wien, um seine langjährige Freundin Miriam zu besuchen, die er aus der Studienzeit kannte. Sie war eine braunhaarige, schlanke und sehr jugendlich wirkende Frau, die ein Fable für Ledertaschen mit aufgenähten bunten Blumen hatte. Die beiden haben sich seit dem Ende ihres Studiums in München vor 3 Jahren nicht mehr gesehen. Sie hatte in Österreich eine überdurchschnittlich gut bezahlte Stelle in einem Unternehmen, das Kuscheltiere herstellt, bekommen, wovon sie in Bayern nur träumen konnte – denn hier laufen die Studentenstädte nur so vor „BWLern“ über.

Konstantin durchkämmte zuvor sämtliche Abteile und suchte sich das am wenigsten von betrunkenen Jugendlichen in peinlichen Aufzügen besetzte Abteil aus. Er benahm sich zwar während seines Studiums nicht gerade anders, aber seit er sein Staatsexamen hatte, konnte er aus irgendeinem Grund dieses „Gesaufe“ und „Gegröhle“ nicht mehr ausstehen – schon gar nicht bei einer so unsinnigen „Feierlichkeit“, wie Halloween.

Der Zug fuhr unter viele Gebirgspässe der Alpen durch, von denen einige kilometerlang waren. Sehr zum Ärger von Konstantin, dessen Smartphone jedes mal die Verbindung verlor, wenn die Metallschlange durch ihre langen, schwarzen unterirdischen Gänge schlich.
Etwas später war es wenigstens im Zug größtenteils ruhiger geworden – denn die meisten Jugendlichen sind jetzt auf einer der zahlreichen Halloween-Parties und nicht mehr in den Wagons, um ihn zu nerven, dachte er.

Nach insgesamt 4 Stunden und etwa 30 Minuten kam der Zug schließlich am Wiener Hauptbahnhof an. Konstantin warf einen Blick auf seine Uhr, die gerade 22:34 zeigte. „In 10 Minuten werde ich abgeholt“, dachte er. Zu seiner Überraschung war der Bahnhof einer Landeshauptstadt ziemlich leergefegt – nur einige Menschen waren zu sehen, die Konstantin als obdachlos identifiziert hatte. Er lief nun zum Ausgang der Osthalle, wo er von Miriam abgeholt werden sollte. Die angetrunkenen Gespräche der Obdachlosen verstummten plötzlich, als Konstantin an ihnen vorbeilief und jene blickten in an, als würde von ihm eine eigenartige Bedrohung ausgehen.

Nachdem er das große Glastor passiert hatte, wunderte er sich um so mehr – denn es waren so gut wie keine Autos auf den Straßen. „Bin ich sicher in Wien?“ dachte er sich, als er noch einmal einen Blick auf seine Uhr warf: 22:43 Uhr. Zwei Kreuzungen weiter konnte er beobachten, wie ein alter schwarzer Leichenwagen mit einer hohen Geschwindigkeit um die Ecke fuhr und dabei mit seinen Reifen den Bordstein streifte. „Was ist hier nur los?!“
Er stand also da und wartete auf Miriam, die er eigentlich recht pünktlich in Erinnerung hatte. Dann warf er einen Blick auf sein Smartphone - so wie er es für gewöhnlich tat, wenn ihm die Wartezeit elektrische Impulse in die Fingerspitzen jagte. Dort entdeckte er 2 verpasste Anrufe von Miriam, worauf es ihn nicht mehr so sehr wunderte, das sie noch nicht hier war.
„Wahrscheinlich wollte sie mir sagen, dass sie sich verspätet – oder vielleicht wollte sie mich vor der mysteriösen Ruhe hier warnen, bevor diese meine Paranoia stimuliert. Aufjedenfall werde ich noch ein Weilchen warten, ansonsten muss ich mir eins von den dunkelgelb schimmernden Taxen nehmen. Sie hat mir Gott sei Dank (ich hasse diese Floskel) noch ihre Adresse per facebook gemailt, bevor ich losgefahren bin – für den Fall der Fälle, typisch Miri.“

Als er nun nach etwa 15 Minuten immer noch verlassen am Bahnhofstor stand, entschied er sich für ein Taxi. Er stieg ins erstbeste ein und teilte dem Fahrer die Adresse mit, worauf dieser den Wagen langsam in Bewegung setzte. Dass der Taxifahrer kein Einheimischer war, erkannte Konstantin erst, als er nach den seltsamen Umständen in der Stadt fragte – worauf er eine unbefriedigende Antwort erhielt: „Ich fahre. Spreche nicht mit Gast.“ Die Stimme des Fahrers klang so kalt und erbarmungslos, dass Konstantin sich entschied, nicht weiter nachzuhaken.

Die Fahrt dauerte nur 20 Minuten. Konstantin war erst überrascht, erkannte jedoch schnell, dass das an der ungewöhnlichen Situation in der Stadt lag und so gut wie keine Autos unterwegs waren. Er bezahlte den Taxifahrer und wollte gerade unten an der Tür klingeln, als er bemerkte, dass sie offen war. Er nahm die Treppe, da er nicht wusste in welchem Stockwerk sie wohnte, dabei guckte er in jeder Etage auf die Klingelschilder. Ihm war sehr mulmig zumute.
Als er im 4. Stock ankam entdeckte er ihren Namen auf einer Klingel : Miriam Schönfeld. Es machte sich jetzt ein wenig Erleichterung ihn ihm breit und er klingelte mit steigernder Vorfreude.
Es öffnete jedoch niemand die Tür...

Die Seltsamkeiten, die ihm bisher widerfahren sind, haben seine Gedanken von der Möglichkeit abgehalten Miriam einfach zurückzurufen. Er holte sein Handy aus seiner Hosentasche und suchte in den Kontakten nach der Nummer. Plötzlich wurde der Bildschirm des Handys weiß, gleich darauf tiefschwarz. „Wieso stürzt jetzt dieses Teil ab?“ , fragte er sich. Im selben Moment flackerte das Flurlicht und erlosch nach wenigen Sekunden komplett, sodass er gar nichts mehr erkennen konnte. Konstantin war für einen Augenblick in Starre verfallen, als er im Treppenhaus von unten langsame Schritte wahrnahm. Jetzt bekam er eine Panikattacke, er warf sich in die Hocke und hechelte, bis ihm beinahe schwindlig geworden wäre.