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Donnerstag, 6. September 2012

E.T. und ich


Ich war E.T.!

Zumindest, wenn man meine Mutter fragt.

Der Film, "E.T." kam im Oktober 1982 in die deutschen Kinos - vor fast genau 30 Jahren also. Ich, gerade eingeschult und Science-Fiction begeistert, fieberte dem Kinobesuch schon seit Wochen entgegen. In meinem Zimmer hing ein Poster des außerirdischen Gnoms, vermutlich aus einem Mickey Mouse-Heft. Auf dem Tisch lag, immer griffbereit,  mein allererstes Panini-Stickeralbum zum Film. Ein Bild klebte an der falschen Stelle, weil ich in der Aufregung nicht auf die Zahlen geachtet hatte.



Dann endlich kam der große Tag! Eigentlich war ich immer ganz versessen auf das Vorprogramm im Kino: Die Eiswerbung, die Trailer - die damals noch "Vorschauen" hießen...
Bei E.T. war es anders. Je länger es dauerte, desto unruhiger wurde ich. Zappelig versuchte ich den Gedanken zu verdrängen, dass ich durch einen dummen Zufall vielleicht im falschen der beiden Säle saß. Nach gefühlten Stunden ging das Licht kurz an, die Filmrolle wurde gewechselt.
Aufatmen! Zu meiner größten Erleichterung lautete der Titel auf der Leinwand tatsächlich "E.T. - der Außerirdische". Meine Anspannung ließ zwar nicht nach, bekam aber eine andere Qualität.

Zwei Stunden später verließ ich mit verklärtem Blick das Kino. Der Film war nicht etwa so toll gewesen, wie ich erwartet hatte - er war fantastisch! Ich hatte sogar kurz den Jedi-Meister Yoda gesehen, den ich bisher nur aus einem Buch und von den Postern meines älteren Bruders kannte.
("Die Rückkehr der Jedi-Ritter" sah ich dann ein Jahr später in genau dem selben Kleinstadtkino, Episode IV und V kurz darauf. Die Betreiber des Kinos zeigten alle drei Filme für jeweils zwei Tage, so konnte ich Star Wars im genau richtigen Alter auf der großen Leinwand sehen.)

E.T. trifft Yoda (Szene nachgestellt)

Ich weiß nicht mehr, wie ich in der Nacht geschlafen habe; auch nicht, was ich träumte. Ich weiß bloß noch, dass ich mich nach dem Aufstehen hockend fortbewegte, den einen Arm hinter mir her schleifend, den anderen erhoben, mit ausgestrecktem Zeigefinger.
Mit rotem Filzstift malte ich Papier an, klebte es um meine Fingerspitze herum und auf meinen Pullover, um  E.T.s Herz und seinen heilenden Finger zu imitieren. Ich sagte Dinge wie "Nach Hause telefonieren" und "[hier Namen einsetzen]... Autsch!"

In der Sandkiste und im Garten ritzte ich mit einem Stöckchen dreizehige "Fußspuren" in den Sand - bis mir aufging, dass solche Spuren nicht bloß oberflächlich sind, und ich meine Technik darauf hin verfeinerte.

Star Wars war die Geburtsstunde des erfolgreichen Merchandising - E.T. zog mit. So hatte ich bald eine ganze Reihe von Artikeln rund um den runzligen kleinen Botaniker.  Praktisch zu jedem Stück könnte ich eine kurze Geschichte erzählen. Da war der Schlüsselanhänger (s. Foto), dessen Füße ich als Vorbild für die Spuren im Garten benutzte. Von meinem Taschengeld kaufte ich einen etwa 15 cm hohen Kunststoff-E.T. mit ausfahrbarem Hals und beweglichen Armen - von denen er sich einen sehr bald (ab)brach und dem ich darauf die Freundschaft kündigte. Selbst bezahlt habe ich auch einen großen Kuschel-E.T, welcher mich auf meine erste Klassenreise in der 4. begleitete und später leider unter ungeklärten Umständen ein Auge verlor. Heute lebt er mit einigen anderen Stofftieren auf dem Dachboden meiner Eltern.

Das Buch zum Film

Ich hatte das Buch zum Film und den Soundtrack als LP. Wobei auch dieses "Buch zum Film" schlechter ist als die meisten Bücher über den Film - das scheint eine Art Naturgesetz zu sein.
Die Platte konnte ich lange Zeit nicht anhören, weil ich sie gedanklich mit Linsensuppe und Übelkeit verknüpft hatte. Eine Tatsache, die mir erst viele Jahre später in Ernährungspsychologie so richtig klar wurde. Mittlerweile sind diese Verküpfungen zum Glück gelöscht, bzw. überschrieben.

Und immer wieder beklebte/bemalte Finger und schlürfender Gang, Ferngespräche und Fußabdrücke...

Von meiner Tante bekam ich einen Pullover, hellblau, mit aufgedrucktem E.T.-Motiv. Seinetwegen wurde ich eines Tages auf dem Weg von der Schule von ein paar größeren Kindern verspottet. Da kam ich mir auch ein wenig wie ein Außerirdischer vor. Mein kleiner Bruder hatte den gleichen Pullover, nur in rosa. Soweit ich mich erinnere, hat er ihn nie getragen :).

Ich habe nie wirklich nachvollziehen können, warum fast jeder das Ende des Films so traurig findet. Wie heißt es im Klappentext des Buchs: "Er hat Angst. Er ist ganz allein - drei Millionen Lichtjahre von seinem Planeten entfernt."
E.T. wurde gejagt, eingesperrt, malträtiert. Sicher hat er Freunde auf der Erde gefunden, aber er gehörte dort nicht hin. Ich war sehr froh, dass er es nach Hause geschafft hat.

Übrigens: Auch wenn meine Mutter bis heute felsenfest davon überzeugt ist, dass ich E.T. war - ich bin mir nicht sicher, ob wirklich ich alle der rätselhaften Spuren im Sand hinterlassen habe...


Inspiriert durch diesen Post von Balu und den hier von Soda. Hätte ich Soda, alias Elliott, damals getroffen, wir wären wahrscheinlich die besten Freunde geworden. 

10.09.2012, Nachtrag:
Mich überfällt gerade ein überwältigendes Gefühl von Unabnormität :), der gute Balu war Perry Rhodan. Scheinbar hat es uns alle ins All hinaus gezogen.


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