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Dienstag, 18. September 2012

Arnold vom Amazonas - ein Experiment, Teil 3


Weiter geht es mit dem kleinen Gemeinschaftsprojekt!
(Teil 1(Teil 2).


Der Mond baumelte satt und gelb am Firmament. 
14 Tage waren nun seit Arnolds Rückkehr zur Schwarzen Lagune vergangen - die anfängliche Euphorie rückte höflich beiseite, damit der Alltag Platz hatte. Mittlerweile, dachte Arnold, verdiente die Lagune ihren Namen nicht mehr. In den 50´ern war das Wasser noch dunkel gewesen, seitdem hatte jedoch das Algenwachstum enorm zugenommen. Wenn man hier heutzutage tauchte, sah man oft die Flosse nicht vor den Augen. Vermutlich hatte es etwas mit dem Quecksilber zu tun das skrupellose Goldgräber in den Fluss leiteten. Arnold hätte ihnen am liebsten die Hälse umgedreht: Das Grün sah aus der Ferne zwar hübsch aus, stank aber Kilometer weit!
Sicher wäre es einfach für ihn, nahe genug an diese widerwärtigen Typen heran zu kommen. Arnold machte es einem praktisch unmöglich, ihn nicht zu mögen - außer, man hatte eine Tochter im gebärfähigen Alter. Er gab den Leuten stets das Gefühl, er hätte ein offenes Ohr für sie. Allein Anne war ihm unzählige Male um den Hals gefallen mit den Worten: „Ach Arnie, du bist der beste Zuhörer der Welt!“ 
Er war dann immer noch einen Tick grüner geworden und hatte ein stummes „Oooo °°oO°“ von sich gegeben.

Als hätte er Arnolds Gedanken gehört und wolle sie wie einen Reifen durchspringen, schnellte ein rosa Defin aus dem Wasser, beschrieb einen anmutigen Bogen in der Luft und tauchte wieder  ab.


Arnold legte den Kopf schief. Er liebte diese selten gewordenen Tierart des Amazonas; ihre Farbe erinnerte ihn jedes Mal an Annes Spitzenunterwäsche…
Er stutzte. Dann ergrünte er, als er sich selbst ertappte: Anne, schon wieder! Würde das jemals aufhören?
Wann immer diese Gefühle in den letzten zwei Wochen in ihm hoch kamen, rief er sich den Goldfisch-Zwischenfall ins Gedächtnis: Anne war stocksauer gewesen und hatte ihn die nächsten Tage bei jedem Gang aufs Klo begleitet, um vielleicht wenigstens noch ein paar letzte Worte in die Schüssel zu sprechen. Am dritten Tag spülte sie unter lautem Rauschen etwas in die Kanalisation, das zumindest entfernte Ähnlichkeit mit Susi hatte. Dann rauschte sie selbst ab durch die Klotür, ein zorniges „Nenn´ mich ja nie wieder Gretchen!“ in Arnolds Richtung.

Bei der Erinnerung an diese rätselhafte Bemerkung Annegrets, kratze er sich am Kopf. 

Ein schrilles Surren durchschnitt die Luft! Arnold tauchte schnell bis zu den Nasenöffnungen ins Wasser. Verstört beobachtete er die glänzende, rotierende Scheibe, die unweit von ihm zur Flussoberfläche herab schwebte. Offenbar war dieses Objekt für den Lärm verantwortlich.
Vorsichtig näherte sich Arnold. Er war bis auf etwa 30 Meter heran gekommen, als der Diskus auf dem Wasser aufsetzte. Das Surren verstummte. Arnold verbarg sich rasch am Rande einer der schwimmenden Inseln, um aus der Deckung heraus zu beobachten. Er kam nicht dazu, die Größe des scheibenförmigen Gebildes zu schätzen, da sich fast im selben Moment eine kleine Luke an der Oberseite öffnete. Arnold hielt den Atem an und dachte unwillkürlich an den Film „Predator“, den er gefühlte 100 mal auf VHS bei den Eichners gesehen hatte.



„Was würde Arnie jetzt tun?“, schoss es ihm durch den Kopf.
Arnold war Schwarzenegger nie begegnet, verehrte den steirischen Stiernacken, wie er ihn liebevoll nannte, jedoch kultisch. Dabei wusste er nicht mal genau, woher seine Bewunderung rührte – und er hinterfragte sie auch nicht sehr gründlich. Es mochte am Namen liegen: Schwarze Lagune…, Schwarzenegger… - dagegen wirkte seine eigener Nachname, Ricou, doch gradezu farblos!

Nach einigen Sekunden erschien ein Kopf in der Luke, gefolgt von einem bläulich-blassen Körper.
Im Schilf versuchte Arnold ein Naserümpfen. „Avatar“ war der erste Kinofilm gewesen, den er nach seinem Winterschlaf gesehen hatte. Beeindruckt hatte der ihn nicht. Die 3D-Effekte hatte man zu „seiner Zeit“ besser hinbekommen, und die Na´vi hatten ihn regelrecht erbost: Auf ihn wirkten sie wie schlaksige Menschen, die man in Gummianzüge gezwängt hatte.

Die rätselhaften Fremden schienen den Na´vi recht ähnlich. Inzwischen waren zwei von ihnen aus dem Raumschiff geklettert und standen nun etwa hüfttief im Wasser. Einer hielt eine Art tragbaren Bildschirm in der Hand. Während sie sich in einer Sprache aus Gurgel- und Schmatzlauten unterhielten, konnte Arnold einen Blick auf die Anzeige des Geräts erhaschen. 
Er schauderte: Sie zeigte einen rosa Amazonasdelfin.