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Montag, 3. September 2012

Arnold vom Amazonas - ein Experiment, Teil 1


Soda schlug vor, abwechselnd kleine Teile einer gemeinsamen Geschichte zu schreiben. Dies ist ihr Beginn.


Arnold saß am Teich und kratzte sich betrübt den schuppigen Kopf. Was ihn störte war nicht so sehr die laute Musik aus dem Hause der Eichners. Was ihn tatsächlich störte war: Da lief seine Musik - und Inge Eichner schien alles daran setzen zu wollen, sie ihm mit ihrem schiefen Gesang für alle Zeiten zu verleiden.

Er seufzte. Die Eichners hatten in freundlich bei sich aufgenommen, für Kost und Logie verlangten sie nicht die Welt. Und das war durchaus nicht selbstverständlich, beachtete man, wie er sie vor drei Jahren kennen gelernt hatte. In Pyjama und Pantoffeln hatten sie vor ihm gestanden, ihn gefragt, was er da mache: mitten in der Nacht in ihrem Gartenteich. Es gelang ihm, sich mit Händen und Flossen verständlich zu machen.
Nach ein paar Nächten des gegenseitigen Beschnupperns und einigen Missverständnissen – er schauderte beim Gedanken an die Würmer - gelangte Arnold zu dem Schluss, dass er es bei den Eichners aushalten könne.
Tags darauf half ihm Tochter Annegret - oder Anne, wie ihre Teeniefreundinnen sie nannten –  seine wenigen Habseligkeiten vom geheimen Versteck im Stadtpark zu den Eichners zu transportieren. Darunter auch jene LP, deren Titelsong Inge momentan ebenso lauthals wie fahrlässig intonierte.

Arnold erinnerte sich gut daran, wie er dieses Album aufgenommen hatte. Nachdem Anfang der 60´er die Rollenangebote in Monsterfilmen ausblieben, war er mit drei seiner ehemaligen Kolleginnen als „Arnold und die Amazonen“ durch die Lande getingelt. Gefällige Harmoniegesänge, gepaart mit Arnolds aufreizendem Hüftschwung, waren ihr Markenzeichen gewesen. Irgendwo zwischen Gigs vor einer Handvoll betrunkener Rowdys und Auftritten auf Familienfeiern, bekam ein Produzent Wind von der Truppe. Er witterte das große Geld, und lag damit goldrichtig. Mit dem Ruhm kamen die Drogen, mit den Drogen kam der Absturz: Arnold und seine Amazonen trennten sich uneinvernehmlich – was blieb, waren ein Hitalbum, Erinnerungen an den verblassten Ruhm und ein Berg von Schulden.

Es muss um 1980 herum gewesen sein, als Arnold langsam zu sich kam und gegensteuerte. Er begann wieder zu arbeiten, hielt sich mit Gelegenheitsjobs unter Wasser. Mal trat er als Attraktion auf dem Jahrmarkt auf, mal jobbte er in der Entwicklungsabteilung eines Herstellers für Fischfutter.
1982 dann das Unglück: Arnold, sein Leben lang eher nachtaktiv, landete als Lagerarbeiter in der Tagschicht bei einem großen Anbieter von Tiefkühlkost. Er musste kurz eingenickt sein: Als er die Augen öffnete, blickte er in ein unbekanntes Gesicht. Der Mann stellte sich ihm als Mr. Freezy vor, der neue Geschäftsführer des Unternehmens. Freezy besichtigte erstmals alle seine Produktionsstätten und war bei der Kontrolle eines selten benutzen Kühlraums auf Arnold gestoßen. Offenbar hatte ein Mitarbeiter den Schlafenden fälschlich für ein Stück Ware gehalten und ihn in die Kammer gebracht. Der eigentliche Schock für Arnold kam aber, als Mr. Freezy ihn darüber aufklärte, wie lange er auf Eis gelegen hatte: 27 Jahre waren vergangen.

"Arnold!", schrillte es wütend aus dem Haus.
Abrupt fuhr er aus seinen Gedanken hoch. Die Musik war verstummt. Wenn Inge so nach ihm rief, musste er wohl wieder etwas angestellt haben. Nur was konnte es diesmal sein? In all der Zeit, die er bereits als Untermieter im Gartenteich lebte, hatte Arnold sich an bestimmte Regeln und Gepflogenheiten nicht gewöhnen können - geschweige denn, dass er sie verstanden hätte.

Lautlos entließ er etwas Luft durch seine Kiemen: "o O ° o o ° O". Es war die kleinlaute Entsprechung eines: "Ich bin´s nicht gewesen."     
Er stand auf und trottete mit gesenktem Kopf Richtung Tür.


Arnold vom Amazonas - 10.000 km von zu Haus


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