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Mittwoch, 1. August 2012

Spider-Man, ein echter Held


Ich erinnere mich lebhaft an meine Reiselektüre auf einer Bahnfahrt von München nach Hamburg im April 1984. Zum einen war das "Krieg der Sterne", Band 19 von EHAPA. Zum anderen mein allererstes Spider-Man-Heft: "Die Spinne" Nr. 107, verlegt bei Condor.
Mit meinen knapp acht Jahren war ich etwas enttäuscht, dass Spider-Man nur ein kostümierter Mensch war. Ein Mensch zwar mit besonderen Fähigkeiten, aber eine mutierte Riesenspinne wäre mir damals deutlich cooler und - nun ja - realistischer erschienen.

Und dann war da auch noch diese vermeintlich unscheinbare Geschichte zwischen "Spidey-vermöbelt-Superschurken" und dem wiederkehrenden Gaststar, "Der mächtige Thor". Wie laaangweilig... 
... oder doch nicht?



Es beginnt mit einem Zeitungsausschnitt: Ein gewisser Jacob Conover berichtet in seiner Kolumne im Daily Bugle über den neunjährigen Tim. Tim sammelt alles über sein großes Idol, Spider-Man.
Und genau der hängt dann auch eines Nachts von der Zimmerdecke des Jungen herab, um sich mit ihm zu unterhalten. Ein Star Wars-Poster hängt übrigens auch an der Wand ;).
Aber könnte da nicht jeder in das Kostüm schlüpfen und behaupten, er sei der Wandkrabbler? Spidey räumt etwaige Zweifel aus, indem er kurzerhand Tims Bett in die Höhe stemmt.
Während Tim dann stolz seine Sammlung zeigt, erzählt Spider-Man u.a. wie ihn die radioaktive Spinne gebissen hat, warum er Verbrechen bekämpft und wie sein Spinnensinn und seine Netzdüsen funktionieren. Natürlich amüsieren die beiden sich auch über J. Jonah Jameson, der bekanntlich kein gutes Haar am unserem Netzschwinger lässt.
Schließlich wünscht Spidey dem Kleinen eine gute Nacht, knipst das Licht aus und wendet sich zum Gehen. Doch eines wüsste Tim noch zu gerne: Wer steckt hinter der Maske?
Spider-Man zögert, sein Geheimnis zu verraten. Schließlich wären seine Freunde in großer Gefahr, wüssten seine Gegner, wer er wirklich ist.
Tim beteuert, er würde niemandem davon erzählen - solange er lebt! Spidey kann sich zunächst trotzdem nicht durchringen. 
Zuletzt gibt er doch nach. Er zieht die Maske vom Kopf und gibt sich als Peter Parker zu erkennen - eben jener Fotograf, der fast alle Bilder in Tims Sammlung für den Daily Bugle geschossen hat.
Tim versichert noch einmal, dass er nichts verraten wird. Die beiden umarmen sich zum Abschied, wobei Peter eine Träne vergießt. 
Schnell zieht er sich die Maske wieder über, schwingt sich aus dem Fenster und auf die hohe Gartenmauer hinauf, die das Grundstück umgibt. Dort hält Spidey mit gesenktem Kopf kurz inne. An der Mauer ist ein Schild befestigt. Darauf steht: "Slocum-Brewer, Krebs-Klinik".
Die Geschichte endet mit dem Schluß von Conovers Artikel. Wir erfahren, dass es Tims größter Wunsch war, Spider-Man zu treffen - und wenn es nur für ein paar Minuten sei. Spidey hat den Artikel offensichtlich gelesen und diesen Wunsch erfüllt. Zum Glück noch rechtzeitig, denn Tim hat Leukämie und nur noch wenige Wochen zu leben...

Wer die Geschichte auf Englisch selbst nachlesen möchte, hier sind Scans (fast) aller Seiten.

Damals war ich ziemlich geplättet. Ich wusste nicht, was Leukämie ist - und dass Kinder in meinem Alter daran sterben, fand ich mehr als gruselig. Aber dass es ganz besonderer Helden bedarf, um sich solchen Tatsachen zu stellen, war mir auch da schon klar.
Seitdem ragt Spider-Man für mich aus der Masse der Superhelden heraus. Die aktuelle Verfilmung stellt für mich genau diesen Aspekt Spideys sehr schön und sehr deutlich heraus. Viel mehr, als die ebenfalls guten Filme mit Tobey Maguire/Kirsten Dunst.

Eine sehr ähnliche Geschichte, wie die oben beschriebene, hat sich übrigens 2006 tatsäcklich ereignet. Dabei musste der Held zwar auf Spinnensinn, Superkraft oder übernatürliche Reflexe verzichten, seinen Einsatz zeichnet das aber umso mehr aus.

Für alle anderen aufstrebenden Helden und Lebensretter hab ich das hier gebastelt. Ich denke, es wäre ganz in Spideys Sinne:


Schaut mal vorbei: http://www.dkms.de/home/de/