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Freitag, 22. Juni 2012

Treppenwitz

(ein Freitag im Sommer, ein anderes Jahr)



Nach Lachen ist mir wirklich nicht, während ich die Stufen zu meiner Haustür hinabsteige.
“Ein Treppenwitz… was ist das eigentlich? Vorhin habe ich das Wort am Telefon benutzt, ohne groß drüber nachzudenken. Später kam es mir wieder in den Sinn, also schlug ich es nach. Die interessanteste Erkenntnis fand ich dabei zwischen den Zeilen. 

Ein Treppenwitz ist vor allem eines: eine unglücklich gewählte deutsche Vokabel für einen klingenden französischen Ausdruck. Während ein Witz etwas Albernes vermuten lässt, schwingt in esprit d´escalier genau das Gefühl mit, das einen oft in den Momenten ergreift, um die es hier geht: Wenn ein kluger Einfall zu spät kommt – „d. h. wenn man nach einem Besuch die Treppe wieder hinuntergeht“ (Duden Band 7).


Verspätete Eingebungen und versäumte Gelegenheiten bringen wohl kaum jemanden wirklich zum Lachen - nur aus Schadenfreude vielleicht.
Nachdenklichkeit, Melancholie, bis hin zu Ärger, sind in solchen Momenten viel wahrscheinlicher. Und manchmal denkt man auch einfach nur ein leises „Schade“.
Mein persönlicher Treppenwitz der letzten Kategorie geht so: „Hätte ich doch in der Schule Französisch statt Latein gewählt … vermutlich könnte ich das schöne esprit d´escalier heute richtig aussprechen.“

Der eine kluge Satz, der dir erst dann in den Sinn kommt, wenn du den Telefonhörer grade aufgelegt hast. Der Geistesblitz, der dich eigentlich auf dem Absatz kehrt machen, und die Treppe wieder rauf laufen lassen möchte.
Warum tut man´s dann nicht? Hat man Angst, dass der Gastgeber die Tür inzwischen von innen verriegelt hat? Und wenn´s die Tür zum eigenen Inneren ist? Befürchtet man dann, dass man seine Taschen vergeblich abklopft? Um schließlich festzustellen, dass man den Schlüssel drinnen stecken gelassen hat?
Vielleicht ist der Treppenwitz sowieso auch nicht mal halb so gut, wie man meinte?

Wenn im Supermarkt die Schlangen am längsten sind, steht man mindestens schon fünf Minuten an, bevor man sich an die Zahnpasta erinnert. Aber dann noch mal raus? Nur um des frischen Atems willen? Ich glaube, Kaugummi an der Kasse ist weniger Quengelware für die Kleinen, als Frustersparnis für die Großen.

Was bleibt einem also übrig, wenn man nur noch treppab kann?
„Sch… … ade!“ brüllen und sich schwören, in Zukunft den Fahrstuhl zu nehmen? Dann verpasst man aber die Chance, ein bisschen über den Witz nachzudenken. Vielleicht lohnt es sich ja, ihn in sein Repertoire aufzunehmen.


(die Gegenwart)

Ich bin froh, dass der Fahrstuhl in "The Big Bang Theory" wohl nie repariert wird. In der Bedeutung lasse ich mir Treppenwitze auch gerne gefallen:



Wenn die Serie mal endet, dann hoffentlich mit einem großen Knall und der Treppe in einer der Hauptrollen.