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Sonntag, 17. Juni 2012

Die Pfade meines Padawan



Mit knapp sieben Jahren saß ich im Kino in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter".
Jetzt ist mein Neffe im gleichen Alter, und letztes Jahr zu Weihnachten sollte er sein erstes Laserschwert von mir bekommen.

Eine richtige kleine Zeremonie hatte ich mir im Kopf zurecht gelegt:

Mein Neffe hat bereits alle Geschenke ausgepackt und kann sich nicht entscheiden, womit er als erstes spielen will.
Ich stehe auf und sage zu ihm:
"Dabei fällt mir ein, ich habe hier noch etwas für dich."
Mit der Hand streiche ich lässig den Mantel auf Hüfthöhe beiseite, ziehe den Schwertgriff von meinem Gürtel ab und überreiche ihn mit den Worten:
"Das Laserschwert deines Onkels."
(Die Waffe eines Jedi-Ritters. Nicht so plump und so ungenau wie Feuerwaffen. Eine elegante Waffe, aus zivilisierteren Tagen... Ihr kennt das ja.)
Und wenn er dann den Schalter betätigt, füge ich mit asthmatischem Röcheln hinzu:
"Fynn", (dramatische Pause), "ich BIN dein Onkel!" - während ich mit einer schnellen Bewegung meine eigene, rote Klinge zücke.
(Ein dramatischer Zweikampf entbrennt, bei dem am Ende das Gute obsiegt!)

Soweit die Theorie. Die Realität sah anders aus: Eine formlose Übergabe und kein anschließendes Duell.
Stattdessen versuchte ich meinem Neffen zu erklären, dass ein Jedi lebendige Gegner (Droiden also ausgeschlossen) nur im Notfall enthaupten würde (Sai cha). Ziel wäre es eher, sie zu entwaffnen oder kampfunfähig zu machen. Und auf keinen Fall würde ein Jedi sein Können für einen hinterhältigen Angriff nutzen.

Denn was ich sah, glich in erschreckender Weise dem Verhalten der Sith: Kaum die Klinge in der Hand, drohte der junge Sternenkämpfer Unbeteiligten, schlug reihenweise Köpfe ab, meuchelte und massakrierte.

Begonnen seine Ausbildung, zu spät wir hatten?

Ein halbes Jahr verging.

Eine Obi-Wan-Figur im Gepäck, hatte ich mir wieder ein paar Worte für meinen Neffen zurecht gelegt. Von wegen:
„Über tausend Generationen lang sind die Jedi-Ritter in der Alten Republik die Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit gewesen." und was Obi-Wan doch für ein korrekter Typ ist, der sich immer an die Regeln hält. Der denkt nach, bevor er handelt, der würde nicht bescheißen bei Scrabble, usw.

Doch ich brauchte meine Ansprache nicht - der kleine Heißsporn zeigte sich diesmal wesentlich sozialer. Ich war sehr überrascht. So half er zum Beispiel seiner kleinen Cousine beim Händewaschen und sprach überwiegend in akzeptabler Lautstärke.

Beim Gehen hatte ich schließlich die Worte im Kopf: "Es ist noch Gutes in dir, Neffe. Das spüre ich!"
Doch selbst, wenn nicht - er ist nicht die letzte Hoffnung. Es gibt noch eine andere: