... enter comBATmode ...: Shit, diese Spaghetti rocken echt!

Dienstag, 8. November 2011

Shit, diese Spaghetti rocken echt!


"Rocken", las ich vor einigen Tagen in einer Diskussion auf Facebook, sei eins dieser unsinnig verwendeten Wörter, wie wir sie im Deutschen immer häufiger fänden.
Um zu "rocken", müsse man gewisse Voraussetzungen mitbringen - Arme z.B., um ein Instrument zumindest halten zu können.
Spaghetti besitzen keine Extremitäten, daher seien sie nicht imstande zu "rocken". Das hätten sie u.a. mit Autos oder Stuhlgang gemeinsam. Popmusiker wären zwar in der Lage, ihre Instrumente zu halten (und meist auch, sie zu spielen), nur "rocken" könnten sie keinesfalls.
Wie nennt man das dann bei denen, fragte ich mich?
Ein Kommentator gab auch gleich die Antwort auf meine ungestellte Frage, indem er postulierte, dass  "poppen" ganz ohne Frage "rocke", daran gäb es nichts zu rütteln!
http://goo.gl/ptkn7

Nun, ob tatsächlich immer mehr und mehr englische Wörter in Deutsche übernommen werden sollten, darüber lässt sich streiten.

ABER...

Das englische Verb „to rock“ bedeutet einerseits „schaukeln, wiegen“, andererseits auch so etwas wie „(durch)schütteln, erschüttern“. Zwei Enden einer Skala, gewissermaßen - von zart bis hart.
Ersteres solltest du mit deinem Baby tun, Letzteres hingegen nicht. So ist das mit der Sprache, es kommt immer auch auf den Kontext an.
Dazu kommt, dass lebendige (sprich: gesprochene) Sprache sich mit den Sprechern verändert (Lautverschiebungen, Bedeutungswandel, usw.) Eine amüsante Landtagsrede zu dem Thema gibts hier.
Das klassische Beispiel für eine tote Sprache ist Latein - hier tut sich nichts mehr. Die Sprache ist in mehrfacher Hinsicht in Stein gemeißelt, die "Evolution" hat sie ausrangiert.

Apropos „Stein“… „the rock“ sucht man im "Rock´N´Roll" vergeblich.
Auf Terry Pratchetts Scheibenwelt gibt’s zwar die „Musik mit Steinen drin“, bei uns auf der Rundwelt haben aber weder die Musik, noch der Tanz, ursprünglich irgendwas mit Felsen zu tun (Ja, liebe Hardrocker, sofern ihr drauf besteht, „hartes Gestein“ rauszuhauen, ich bin schwer dafür! Nicht nur meinen Ohren zuliebe, ich steh auf den Scheiß, sondern auch um der lieben Sprache, der Vielfalt willen).

Nein, der Begriff „Rock´N´Roll“, auf den die Diskussion teilweise anspielte, hat nicht mit Geologie, Härte oder Unbeweglichkeit zu tun. Er hat was mit Bewegung zu tun!
Und wer bei „Wiegen und Wälzen“ an Sex denkt, liegt genau richtig! Das war die Bedeutung des Wortes.


http://goo.gl/la8Tu

Also ich empfinde Sex für gewöhnlich als überaus erquicklich. Relativ unerquicklich finde ich dagegen Chipskrümel im Bett, deshalb kann ich mit dem Wort "poppen" auch nicht allzu viel anfangen.
Spaghetti finde ich dann wieder gut - wenn vielleicht auch nicht im selben Maße wie Sex. Spaghetti können für mich "rocken", weil sie etwas in mir bewegen. Andere Leute sprechen bei exotischeren Speisen vom "Zungenorgasmus", soweit würde ich bei den Nudeln dann nicht gehen. Aber sie machen mir Spaß.

Ja, selbst Stuhlgang kommt uns gelegentlich gelegen – nicht nur nachdem wir tagelang mit einer Verstopfung gekämpft haben. Wer direkt nach dem Scheißer das Klo betritt, mag das anders sehen, generell wirkt das Ganze jedoch sehr befreiend, und der Darm wird dabei ziemlich geschüttelt.
Warum sollte das Große Geschäft also nicht rocken?

Eine Sprache bewegt sich, solange sie gesprochen wird. Sie wird durchgerüttelt, zerbröselt, neu zusammengesetzt und wieder gerüttelt. Manche Entwicklungen enden relativ bald in einer Sackgasse. Andere passen sich so gut an, dass sie ihre "Mitbewerber" weit hinter sich lassen.

Die Evolution (auch sprachliche) ist keine Meinung, sondern Tatsache. Sie lässt sich nur vorübergehend aufhalten - durch Auslöschung allen Lebens (indem wir nicht mehr miteinander reden) - was wohl kaum im unserem Interesse sein kann.

http://goo.gl/JoNvy

In diesem Sinne: Rock on!

Mit bestem Dank an Jascha Pansch, der die Diskussion in Gang brachte.