... enter comBATmode ...: Schleck lass nach! Der missverstandene Schlecker-Brief

Samstag, 5. November 2011

Schleck lass nach! Der missverstandene Schlecker-Brief

Es fing an mit einem kleinen Wortspiel, ähnlich dem in obigem Titel.
Das Unternehmen Schlecker warb plötzlich mit dem Motto "FOR YOU. VOR ORT."

Da dauerte es nicht lange, schon hatten empörte Sprachschützer Unterschriften gegen diesen Slogan gesammelt. Ein Herr Florian Baum, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Schlecker, nahm darauf hin in einem persönlichen Brief Stellung zu der geäußerten Kritik.
Der Brief gelangte an die Öffentlichkeit und löste eine neue, heftigere Welle der Entrüstung aus.
In Blogs und Foren hieß es, Herr Baum/Schlecker diffamiere die eigene Kundschaft, stelle sie als dumm und ungebildet hin. Da schrieb man erzürnt, zwar kaufe man ohnehin nicht bei Schlecker ein, doch jetzt erst recht nicht mehr - schließlich gehöre man zu den höher Gebildeten und habe damit quasi Hausverbot.
Sehr oft scheint es dabei, die wutschnaubenden Schreiber hätten den eigentlichen Brief nicht, oder nur flüchtig gelesen.

Was steht tatsächlich drin im Antwortschreiben Baums?
In meinen Worten:




1) Schlecker suchte ein neues Motto.

2) Dieses Motto sollte den DURCHSCHNITTLICHEN Kunden des Unternehmens ansprechen.

3) Schleckers durchschnittlicher Kunde ist "niederen BIS MITTLEREN" Bildungsniveaus.



Anmerkungen:
  • Falsch und unvollständig zitiert wird dagegen oft lediglich ein "niedriges Bildungsniveau".
  • Bildung ist nicht gleich Intelligenz.
  • Sehr wahrscheinlich basiert dieses Bild der Zielgruppe auf einer Analyse der Marktforschung, wäre somit also lediglich eine Fest- und keine Unterstellung.
  • Nachdem derart viele Menschen sich so aufregen, frage ich mich ernsthaft, ob dem durchschnittlichen Wutbürger klar ist, was es mit Mittelwerten auf sich hat.

4) Ein Marktforschungsinstitut entwickelte mehrere Slogans für die genannte Zielgruppe.

5) Die Slogans wurden einem Testpublikum (Repräsentanten der Zielgruppe) vorgestellt.

6) "FOR YOU. VOR ORT." setzte sich durch, wurde von der Zielgruppe bevorzugt.

An welchen Stellen Baums Brief nun arrogant wirken soll, erschließt sich mir nicht. Er ist höflich aber bestimmt formuliert. Der zweite Satz wirkt zwar arg gestelzt auf mich, im restlichen Text sind die Formulierungen aber erfreulich klar.
Schlecker hat sich in der Vergangenheit nicht grade mit Ruhm bekleckert - besonders, was den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern angeht. Nun scheinen sie es besser machen zu wollen, aber der Schuss geht nach hinten los.
Doch nicht, weil der Versuch so plump wäre, wie er überwiegend dargestellt wird - sondern weil Viele in ihrer Wut lesen, ohne zu verstehen und nachplappern, ohne zu denken.

Links zum Thema:

http://www.faktoide.de/ (Eintrag vom 28.10.2011 "Der Schlecker-Brief - ungelesen")

http://saschalobo.com/2011/10/28/der-brief-den-schlecker-jetzt-schreiben-sollte/